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Henrik Bortels, MBA - Mein Thema: Medien in der Konvergenz von analog und digital.
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Auf dem Todesstern sitzen die Print-Redakteure am Katzentisch

Diese Zwischenüberschrift von Karsten Lohmeyer beschreibt die Situation im Newsroom bei Springer um die Ecke: Von den mehr als 300 Journalisten arbeiten nur nur 12 für Print. Sie bedienen sich aus dem riesigen Angebot der digitalen Inhalte und bearbeiten diese für den Druck auf Papier.

Diese Gewichtung beschreibt eine nicht allzu ferne Zukunft, wenn die Tages- zur Wochenzeitung wird - sofern sie überhaupt überlebt. Das Future Exploration Network sieht diesen Zeitpunkt für Deutschland im Jahr 2030. Dann ist es wirtschaftlich schlicht unsinnig, die letzten verbliebenen Abonnenten täglich mit einem Stapel Papier zu beliefern.

Neben einer digitalen Arbeitsweise werden sich künftige Journalisten vermutlich auch auf weniger Geld einstellen müssen:

Absolut entscheidend für das Weiterbestehen der Zeitungsmarken in der digitalen Welt wird dabei eine vernünftige Form der Monetarisierung sein. Ohne Alimente aus dem Generationenvertrag mit Print müssen sich die reinen Digital-Angebote durch Paid Content, Anzeigen oder andere Formen refinanzieren. Noch ein weiter Weg, der für viele Tageszeitungen (siehe die Beispiele Abendzeitung und Frankfurter Rundschau) in ein Tal der Tränen oder einfach die Insolvenz führen wird.

Gedruckte Zeitungen befinden sich in der bisher schwersten Krise ihrer Geschichte. Und zwar nicht erst, seit sich nach der Jahrtausendwende das Internet mit Aplomb im Leben […] breitgemacht hat. Den Zenit überschritt die Branche schon in den Jahren 1982/1983. Damals betrug die (gesamtdeutsch kumulierte) Auflage aller Zeitungen gut 30 Millionen Exemplare.

Dreißig Jahre später, im Jahr 2013, werden nur noch 17 Millionen Exemplare der Tagespresse an potentielle Leser verkauft. Das sind lediglich 57 Prozent des damaligen Allzeitgipfels, es entspricht in etwa der Verbreitung der Zeitungen im Jahr 1957. Am Internet alleine kann der Niedergang also nicht liegen.

linxspiration:

Work hard. Stay humble.

Arbeite schwer, bleibe bescheiden.

linxspiration:

Work hard. Stay humble.

Arbeite schwer, bleibe bescheiden.

Mark Jurkowitz spent years documenting the decline of newspapers while at the Pew Research Center. He recently left his associate director position and … bought a newspaper.

Die Times of India sorgt auf ungewöhnliche Weise für mehr Reichweite in den Sozialen Medien. Neue Verträge zwingen die Redakteure, ihre Konten bei Twitter und Facebook dem Verlag zu übertragen.

Hundreds of journalists working at the Times of India and its sister publications have received a peculiar request from their employer: hand over your Twitter and Facebook passwords and let us post for you. Even after you leave the company.

Zeitungen haben sich noch nie über den Verkauf ihrer Meldungen finanziert. Vielmehr bieten die Meldungen nur ein attraktives Umfeld für Anzeigen. Davon ist zumindest Googles Chefökonom, Hal Varian, überzeugt. Denn dieses Geschäftsmodell funktioniert auch in der digitalen Welt. Einziges Dilemma: Obwohl Nachrichten und andere journalistische Inhalte im Netz stark nachgefragt werden, kämpfen Medien im Internet mit Social Media-Angeboten um die Aufmerksamkeit der Nutzer.

Im Zeitbudget von einem durchschnittlichen Netz-Nutzer machten News und Co. nur etwa 2,6 Prozent aus, während soziale Medien rund 22 Prozent der Zeit verschlängen. Rund 2,15 Minuten Konsum von Online-News stünden rund 25 Minuten Beschäftigung mit Offline-Medien gegenüber.

Varians Verknüpfung von Zeitbudget und Erlösen ist zwar etwas gewagt.

Der Umsatz pro Minute Beschäftigung mit einem Medium sei on- wie offline in etwa gleich. Nicht nur liege die Online-Nutzungsdauer bei rund 10 Prozent der Offline-Zeit. Auch lägen die Werbeumsätze im Netz bei rund 10 Prozent der Werbeumsätze, die mit gedruckten Zeitungen erzielt würden.

Seiner Schlussfolgerung stimme ich trotzdem zu: Die Nutzer müssen länger auf den digitalen Zeitungsseiten gehalten werden. Und sie sollten möglichst häufig wiederkehren (wollen). Das ließe sich durch attraktive Inhalte und durch eine stärkere mobile Präsenz erreichen.

Drei Empfehlungen von Varian:

  1. Zeitungen müssen im Internet die Nutzerbeschäftigung und –beteiligung intensivieren, u.a. mit interaktiven Grafiken, Videos, exklusiven Inhalten
  2. Sie müssen mehr Inhalte speziell auf Smartphones und Tablets produzieren
  3. Sie müssen ihre Informationen und Daten über ihre Nutzer besser analysieren und verstehen, was diese suchen und lesen. Sie brauchen mehr Produkttests, mehr Videos, mehr lokale Nachrichten. Sie brauchen für ihre Werbekunden ein besseres Targeting.

Zwischen 800.000 und 900.000 Digitalabos könnten möglich sein. Das hat die Unternehmensberatung McKinsey der New York Times vor vier Jahren vorausgesagt. Jetzt stagniert der Wert der Digitalabos… bei 831.000.

Zwar stieg der Wert auch im 2. Quartal 2014 weiter. Doch entschieden sich die meisten der 32.000 neuen Leser für eines der neuen, schnellen Angebote wie die App nytNOW (8 USD pro Monat). Für die traditionellen Digitalabos muss zwischen 15 USD und 35 USD im Monat gezahlt werden.

The Times declined to comment on the McKinsey study, but the company referred to comments CEO Mark Thompson made at an investor conference in May: “It’s not ridiculous to think of a high single million number in the U.S. as an addressable market.”

Translation: We think we can sell 8 million or 9 million subscriptions — eight or nine times where we’re at now — at a variety of price points, but likely with the bulk of growth at lower than current price points.

Zusammen mit den Erlösen aus der digitalen Werbung umfasst das digitale Geschäft der New York Times aktuell rund 312 Millionen USD. Darin sind bereits knapp 163 Millionen USD digitale Werbeerlöse enthalten.

Der Betrieb der gesamten New York Times, digital wie gedruckt, ist jedoch wesentlich teurer. re/code hat errechnet, dass alle digitalen Erlöse nur rund 20 Prozent der NYT ausmachen. Würde das Papiergeschäft morgen eingestellt, dann könnten laut re/code nur noch 200 Journalisten im Newsroom arbeiten.

Wann werfen die ersten großen Verlage ihre Druckmaschinen über Bord und fahren mit einem kleineren digitalen Schnellboot in ihre ungewisse Zukunft?

Print: Gymnasium, Online: Hauptschule

Die taz-Kolumnistin und Berichterstatterin von der Medienfront, Silke Burmester, hat kein Verständnis für die Blockade-Haltung der Spiegel-Redakteure. Für sie solle offenbar “bitte alles bleiben, wie es ist. So dampfmaschinenmäßig”. Eine Ursache sieht die Kriegsreporterin in der Mitarbeiterbeteiligung beim Spiegel, die festangestellte Redakteure hat träge werden lassen:

Damit auch die zehnte Ferienwohnung von der Gewinnbeteiligung gekauft werden kann, entscheiden die Mitinhaber im Sinne ihres Hier und Jetzt und tun so, als ginge sie die Zukunft der Firma nichts an.

Die Gefahr liegt nicht darin, dass Print zu Online verkommt – eher das Online durch Print gelähmt wird

Roland Tichy, Wirtschaftsjournalist und seit Ende Juni 2014 Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, blickt etwas irritiert auf den Streit um die Ressortleiter beim Spiegel. Hinter dem Streit “über die Abschaffung der Kugelkopf-Schreibmaschine” vermutet er vielmehr einen Wettstreit um die Pfründe:

Print will die Profite mit dem Investitionsbereich Online nicht teilen. Das ist kurzfristig verständlich, langfristig falsch. Wenn es so bleibt, muss Online nicht nur bei den Gehältern weiter darben, sondern bald auch noch die Bestattungskosten für Print übernehmen.

Mein Tipp für den Fernsehabend: Am 26. August gegen 21:30 Uhr auf ARTE TV.

Die VG Media ist das neue Brasilien

Dieses Zitat versteht nur, wer das legendäre Spiel der WM 2014 gesehen hat. Die Niederlage des Gastgebers Brasilien mit 1:7 gegen Deutschland macht Google zum überlegenen Sieger - der Begegnung und der WM. Denn die Entscheidung des Kartellamts in Sachen Leistungsschutzrecht gegen die VG Media entspricht dem Fiasko der Brasilianer auf dem Platz.

Bei Google mussten sie sich erst von den Lachanfällen erholen, um dann den Verlagen zu demonstrieren, wie die Machtverhältnisse im digitalen Zeitalter wirklich sind: entweder man dürfe weiterhin kurze Auszüge für Google News kostenlos nutzen – oder man nehme den Anbieter aus dem Newsverzeichnis (nicht aus dem Suchindex, wohlgemerkt).

Was daraufhin passierte, darf als weiteres Lehrstück gelten. Die allermeisten knickten vergleichsweise schnell vor dem Konzern ein, weil sie ahnten, dass der ihnen entstehende Schaden größer ist als umgekehrt. Gleichzeitig entschlossen sie sich (zumindest die der VG Media angehörenden Verlage) zu einem verblüffenden Paradox: Man wollte zwar weiter an der Reichweite von Google partizipieren, machte dem Konzern aber gleichzeitig diese Reichweite zum Vorwurf. Ein Vorwurf, den das Kartellamt jetzt dermaßen heftig abschmetterte, dass man fast gar nicht anders kann, als von eingangs beschriebener Klatsche zu reden: Das Beschwerdeziel sei “unklar”, die Beschwerde selber “nicht schlüssig und nicht substantiiert”. Das sind die diplomatischen Formulierungen für “völliger Quatsch”. Und als würde die VG Media nach diesen Worten nicht eh schon am Boden liegen, gibt ihr die an sich ironiebefreite Kartellbehörde noch einen ulkigen Tritt hinterher: Man überprüfe aber gerne mal, ob es sich bei der VG Media nicht um etwas Kartellähnliches handle. Im Fußball, um im Bild zu bleiben, würde nach einem solchen Desaster der Trainer gefeuert. Bei der VG Media empfiehlt sich der Gedanke, ob man sich nicht am besten gleich selbst auflösen soll.

schreibt Medienmensch Christian Jakubetz. Und iRights.info veröffentlicht das Schreiben des Kartellamts im Original und kommentiert es auch gleich noch.

NO More Newspaper… Feuer anzünden geht jetzt auch schon ohne Zeitung. Bleibt nur noch Fisch einwickeln (macht das noch jemand?) und nasse Schuhe ausstopfen.

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